Polycarbonat-Stegplatten reinigen: Grünbelag entfernen ohne Kratzer

Stegplatten aus Polycarbonat reinigen Sie mit lauwarmem Wasser, mildem Spülmittel und einem weichen Schwamm oder einer weichen Waschbürste am Teleskopstiel, danach mit klarem Wasser nachspülen. Scheuermittel, stark alkalische Reiniger, Lösungsmittel und trockenes Wischen schaden der Oberfläche. Auf die Platten steigen Sie nie.

Redaktion ALUXIL Veröffentlicht 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Erlaubt: lauwarmes Wasser, mildes Spülmittel, weicher Baumwollschwamm oder weiche Waschbürste, danach kalt nachspülen.
  • Schadet: Scheuermittel und -schwämme, stark alkalische Reiniger (auch Waschsoda), Benzin und andere Lösungsmittel, Klingen und Abzieher, trockenes Abwischen, Reinigen in praller Sonne.
  • Grünbelag: mechanisch mit Bürste und Seifenwasser entfernen. Grünbelagentferner sind Biozide und für Polycarbonat nicht nötig.
  • Kammern: Schmutz und Algen in den Hohlkammern lassen sich kaum herausbekommen. Vorbeugen mit intaktem Kantenverschluss ist der beste Weg.
  • Kratzer: lassen sich bei Polycarbonat nicht zuverlässig entfernen. Vorbeugen ist alles.
  • Sicherheit: Stegplatten sind nicht durchtrittsicher. Gereinigt wird von unten oder von einer Leiter neben dem Dach.

Was erlaubt ist, was schadet

Polycarbonat ist sehr schlagzäh, aber chemisch und mechanisch empfindlicher als Glas. Die Oberfläche ist weicher und trägt bei den meisten Platten eine dünne UV-Schutzschicht, die die Platte vor Alterung durch Sonnenlicht schützt. Diese Schicht gilt es beim Putzen zu schonen.

Was Hersteller empfehlen, am Beispiel der Pflegeanleitung des Plattenherstellers Palram:

Erlaubt:

  • weicher Schwamm oder Tuch aus 100 % Baumwolle
  • lauwarmes Wasser mit mildem Spülmittel
  • danach mit kaltem, klarem Wasser nachspülen und mit einem weichen Baumwolltuch trocknen, damit keine Wasserflecken bleiben
  • für große Dächer: eine weiche Waschbürste oder ein Waschpad am langen Stiel, oder ein Hochdruckreiniger mit Flachstrahldüse und mildem Reinigungsmittel, ohne die Düse zu nah an die Platte zu halten

Schadet:

  • Scheuermittel und stark alkalische Reiniger
  • Benzin
  • Reiniger lange einwirken lassen statt sofort abzuspülen
  • Reinigen in direkter Sonne
  • scharfe Gegenstände, Abzieher und Klingen
  • trockenes Abwischen, denn Sand und Staub auf der Platte verkratzen die Oberfläche

Bestimmte Lösungsmittel gibt der Hersteller nur für einzelne Fälle ausdrücklich frei. Für den Hausgebrauch ist die einfache Regel sicherer: keine Lösungsmittel. Wenn Sie ein anderes Mittel verwenden wollen, testen Sie es vorher an einer unauffälligen Stelle oder fragen Sie den Plattenhersteller.

Achtung: Waschsoda wird oft als Hausmittel gegen Grünbelag empfohlen, etwa für Steinterrassen. Es ist alkalisch und gehört deshalb nicht auf Polycarbonat. Dasselbe gilt für Fassaden- und Steinreiniger.

Hinweis: Manche Stegplatten haben innen eine Beschichtung gegen Tropfenbildung (Anti-Kondensat). Deren Innenseite sollten Sie nach Herstellerangaben möglichst nicht reinigen, weil das die Wirkung der Beschichtung verringern kann. Ob Ihre Platte eine solche Beschichtung hat, steht in den Unterlagen.

Grünbelag und Algen

Grüner Belag entsteht vor allem an schattigen, feuchten Stellen, unter Bäumen und dort, wo Wasser länger stehen bleibt. Laut Umweltbundesamt ist Algenbewuchs vor allem ein optisches Problem.

So entfernen Sie ihn:

  1. Laub und groben Schmutz mit dem Gartenschlauch abspülen. Nicht trocken abkehren.
  2. Die Fläche mit lauwarmem Wasser und mildem Spülmittel einweichen und einige Minuten wirken lassen, aber nicht antrocknen lassen.
  3. Mit einer weichen Waschbürste am Teleskopstiel in Richtung der Stege bürsten, also von der Hauswand zur Rinne.
  4. Gründlich mit klarem Wasser nachspülen.
  5. Hartnäckige Stellen lieber ein zweites Mal einweichen als fester schrubben.

Und Grünbelagentferner? Laut Umweltbundesamt sind Grünbelagentferner keine üblichen Reiniger, sondern Biozidprodukte. Einige Wirkstoffe sind umweltgefährlich und sehr giftig für Wasserorganismen. Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass chemische Algenmittel häufig quartäre Ammoniumverbindungen enthalten, die sich in Boden und Wasser verteilen. Das Wasser vom Terrassendach läuft über die Rinne in Boden oder Kanal. Für Polycarbonat kommt hinzu, dass solche Mittel nicht für die Platten freigegeben sein müssen. Die mechanische Reinigung reicht in aller Regel aus.

Kammern und Kanten

Schmutz, Algen oder Feuchtigkeit in den Hohlkammern sind das eigentliche Ärgernis bei Stegplatten, denn von außen kommen Sie nicht heran.

Woher es kommt: Die Stirnseiten der Platten werden beim Einbau mit einem Kantenverschlussband und einem Abschlussprofil verschlossen. Das Band soll Schmutz und Insekten draußen halten, die Kammern aber noch etwas belüften. Ist es beschädigt, fehlt es oder hat es sich gelöst, dringen Staub, Wasser und Sporen ein. Feuchte Luft kann die Kammern auch bei intaktem Band beschlagen lassen. Laut Verlegeanleitungen lässt sich das nicht immer vermeiden.

Was Sie tun können:

  • Kontrollieren: Schauen Sie bei jeder Reinigung von der Leiter aus auf die unteren Plattenenden an der Rinne. Ist das Band eingerissen, verfärbt oder lose?
  • Nicht hineinspülen: Spülen Sie die Kammern nicht mit Wasser aus. Verlegeanleitungen raten sogar, Sägespäne beim Zuschnitt nur mit Druckluft aus den Kammern zu blasen, weil Wasser in den Kammern Algenbildung fördern kann.
  • Trocken herausblasen: Losen, trockenen Staub an den offenen Enden kann ein Fachbetrieb mit Druckluft herausblasen, wenn die Platte dafür ohnehin gelöst wird.
  • Austauschen lassen: Ist eine Platte innen stark veralgt, ist ein Austausch meist sinnvoller als stundenlange Versuche. Das Kantenband wird dabei gleich erneuert. Lassen Sie das von einem Fachbetrieb machen, statt Platten selbst auszubauen.

Kratzer

Polycarbonat ist kratzempfindlicher als Glas. Kleine Kratzer aus der Reinigung sieht man vor allem bei klaren Platten im Gegenlicht.

  • Entfernen? Leider nicht zuverlässig. Polieren und Schleifen tragen Material von der Oberfläche ab. Genau dort sitzt bei UV-geschützten Platten die Schutzschicht. Ein «wegpolierter» Kratzer kann die Platte an dieser Stelle schneller altern lassen.
  • Leichte Kratzer stören meist nur optisch und beeinträchtigen die Funktion nicht. Ein Riss oder ein Loch ist etwas anderes. Dann sollte die Platte ersetzt werden.
  • Vorbeugen: Immer erst den Sand abspülen, dann nass wischen. Nur weiche Bürsten und Baumwolle, keine Mikrofaser mit Schmutzpartikeln vom letzten Einsatz, keine Abzieher.

Häufigkeit und Sicherheit

Wie oft? Es gibt keine feste Regel. Bewährt hat sich eine Reinigung im Frühjahr nach dem Blütenstaub und eine Kontrolle im Herbst nach dem Laubfall, dabei Rinne und Einläufe gleich mit freimachen. Bei Bäumen in der Nähe öfter. Je früher Sie Grünbelag und Vogelkot entfernen, desto leichter geht es.

Sicherheit:

  • Nie auf die Platten steigen, auch nicht auf die Sparren dazwischen. Stegplatten sind nicht durchtrittsicher. Die gesetzliche Unfallversicherung weist darauf hin, dass Durchstürze durch Lichtplatten immer wieder tödlich enden, vor allem bei Wartung und Reinigung. Auch Plattenhersteller schreiben ausdrücklich: Platten nie direkt betreten.
  • Von unten oder seitlich mit Teleskopstiel arbeiten. Die Leiter steht neben dem Dach auf festem Grund und lehnt nicht an Platten oder Rinne.
  • Leiterregeln nach DGUV Information 208-016: richtiger Anstellwinkel, oberste Sprossen nicht besteigen, nicht seitlich hinauslehnen. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber Glasdach reinigen, sie gelten für Stegplatten genauso.
  • Was Sie nicht sicher erreichen, überlassen Sie einem Fachbetrieb.

Die pulverbeschichteten Profile reinigen Sie mit demselben milden Seifenwasser. Was dabei zu beachten ist, steht im Ratgeber Pulverbeschichtetes Aluminium.

Häufige Fragen

Womit darf ich Polycarbonat-Stegplatten reinigen?

Mit lauwarmem Wasser und mildem Spülmittel, aufgetragen mit einem weichen Baumwollschwamm oder einer weichen Waschbürste. Danach mit kaltem Wasser nachspülen. Plattenhersteller raten von Scheuermitteln, stark alkalischen Reinigern, Benzin, Klingen und Abziehern ab. Andere Mittel vorher an einer unauffälligen Stelle testen.

Wie entferne ich Grünbelag von Stegplatten?

Einweichen mit lauwarmem Seifenwasser, mit einer weichen Bürste in Stegrichtung bürsten und gründlich nachspülen. Grünbelagentferner sind laut Umweltbundesamt Biozidprodukte, die Boden und Gewässer belasten können. Für Polycarbonat sind sie in der Regel nicht nötig. Waschsoda ist alkalisch und daher ungeeignet.

Wie bekomme ich Schmutz aus den Kammern?

Von außen kaum. Spülen Sie die Kammern nicht mit Wasser, das fördert Algenbildung. Trockenen Staub kann ein Fachbetrieb mit Druckluft herausblasen. Bei starkem Algenbefall ist ein Austausch der Platte mit neuem Kantenverschlussband meist die bessere Lösung. Vorbeugend: das Band regelmäßig kontrollieren.

Darf ich Stegplatten mit dem Hochdruckreiniger reinigen?

Ein Plattenhersteller nennt den Hochdruckreiniger mit Flachstrahldüse und mildem Reiniger als Möglichkeit für große Dächer, warnt aber: Ist die Düse zu nah, kann der Strahl die Platte durchdringen oder einreißen. Halten Sie also großen Abstand und zielen Sie nie auf Kanten und Dichtungen. Ein Schlauch mit Brause und eine weiche Bürste reichen meist.

Lassen sich Kratzer aus Polycarbonat herauspolieren?

Nicht zuverlässig. Polieren trägt die Oberfläche ab, und dort sitzt bei UV-geschützten Platten die Schutzschicht. Leichte Kratzer sind meist nur optisch störend. Bei Rissen oder Löchern sollte die Platte ersetzt werden. Vorbeugen hilft am meisten: nie trocken wischen.


Wie Stegplatten aufgebaut sind, wie hell und wie laut sie sind und wie lange sie halten, erklärt der Ratgeber Polycarbonat-Stegplatten 16 mm. Den Vergleich zu Glas finden Sie unter Glas oder Polycarbonat, alle Eindeckungen unter Dachoptionen.

Stand: Oktober 2026. Vorrang haben die Reinigungshinweise des Plattenherstellers.

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