Terrassendach mit wenig Pfosten: Spannweite, Träger, Pfostenzahl

Wie viele Pfosten ein Terrassendach braucht, hängt davon ab, wie weit der vordere Träger zwischen zwei Stützen spannen kann – und das bestimmen Profil, Dachgröße, Eindeckung und Schneelast. Ein Dach mit zurückgesetztem, kräftigem Frontträger kommt mit wenigen Pfosten aus, weil dieser Träger die Last sammelt; ganz ohne Pfosten geht es bei üblichen Terrassendächern dagegen selten.

Redaktion ALUXIL Veröffentlicht 7 Min. Lesezeit

Holzpergola mit Weinreben von unten gesehen: Balken und Sparren

Foto: Milada Vigerova, CC0, via commons.wikimedia.org (Ausschnitt)

Kurz gesagt

  • Pfosten tragen den vorderen Träger. Je weiter der Träger zwischen zwei Pfosten spannen muss, desto kräftiger muss er sein.
  • Die Pfostenzahl hängt vor allem von Breite, Tiefe, Eindeckung, Schneelastzone und Trägerprofil ab.
  • Ein Kragdach sammelt die Last auf einem durchgehenden Träger; das Dach ragt vorne über diesen Träger hinaus. So bleiben vorne wenige Pfosten.
  • Ganz ohne Pfosten müsste die Hauswand das komplette Dach als Kragarm halten. Das ist bei üblichen Tiefen nur mit großem Aufwand und Einzelstatik machbar.
  • Bei ALUXIL: Skyline hat zwei oder drei Pfosten, das Kragdach Cantiline zwei oder vier.

Spannweite, Träger, Pfosten: das Prinzip

Ein Terrassendach am Haus ist ein einfaches Tragwerk. Die Sparren liegen hinten auf der Wandschiene und vorne auf einem Träger – bei vielen Systemen ist das zugleich die Regenrinne. Dieser Träger liegt auf den Pfosten, und die Pfosten geben alles über die Fundamente in den Boden ab.

Der vordere Träger wirkt wie ein Balken auf zwei oder mehr Stützen. Zwei Größen bestimmen, ob er ausreicht:

  • Tragfähigkeit: Der Träger darf unter Eigengewicht, Schnee und Wind nicht versagen.
  • Durchbiegung: Er darf sich nicht so weit durchbiegen, dass die Eindeckung leidet, Wasser stehen bleibt oder das Dach sichtbar durchhängt.

Beide Werte verschlechtern sich mit wachsender Spannweite überproportional. Doppelt so weit zwischen zwei Pfosten heißt also nicht doppelt, sondern deutlich mehr Biegung. Dagegen helfen ein höheres oder dickwandigeres Profil, ein stärkerer Werkstoff – oder eben ein zusätzlicher Pfosten. Für Tragwerke aus Aluminium gilt in Europa der Eurocode 9 (DIN EN 1999), für die Lasten aus Schnee und Wind die Normen DIN EN 1991-1-3 und -1-4.

Auch die Tiefe spielt mit: Je tiefer das Dach, desto mehr Dachfläche und damit Schnee lastet anteilig auf dem vorderen Träger. Ein 5 m tiefes Dach belastet seinen Frontträger stärker als ein 3 m tiefes gleicher Breite.

Tipp: Wenn Ihnen freie Sicht wichtig ist, fragen Sie bei Angeboten nicht nur nach der Pfostenzahl, sondern auch nach der Position der Pfosten. Zwei Pfosten an den Ecken stören den Blick weniger als drei, von denen einer mittig vor der Terrassentür steht.

Zurückgesetzter Träger: wenn das Dach vorne übersteht

Bei einem Kragdach liegt der vordere Träger nicht ganz vorne an der Dachkante, sondern etwas zurückversetzt. Die Sparren laufen über den Träger hinweg und ragen ein Stück darüber hinaus – sie «kragen» aus. Ein Kragarm ist in der Statik ein Bauteil, das nur auf einer Seite gehalten ist und frei übersteht, wie ein Balkon.

Das hat zwei Effekte:

  1. Ein durchgehender, kräftiger Träger nimmt die Last aller Sparren auf und gibt sie an wenige Pfosten weiter. Weil er höher dimensioniert ist als eine schlanke Rinne, kann er weiter spannen.
  2. Die Dachkante wirkt frei, weil die Pfosten nicht an der äußersten Kante stehen. Optisch entsteht eine klare Linie, und unter dem Überstand bleibt ein Streifen ohne Stütze.

Wichtig: Auch ein Kragdach steht auf Pfosten. Es ist eine Konstruktion mit wenigen Pfosten, nicht ohne. Die Pfosten tragen den Frontträger, und dieser braucht wie jedes andere Bauteil eine Statik für Ihren Standort.

Warum «ohne Pfosten» meist nicht geht

Die Idee klingt verlockend: Das Dach hängt nur an der Hauswand und schwebt über der Terrasse. Statisch ist das ein Kragarm über die gesamte Tiefe. Daraus folgen drei Probleme:

  • Große Kräfte an der Wand. Ein Kragarm erzeugt an seiner Einspannung ein Biegemoment, das mit der Auskragung stark zunimmt. Die Wandbefestigung muss nicht nur Gewicht, sondern auch dieses Moment aufnehmen – das Mauerwerk muss das hergeben, und bei einer Dämmfassade wird es noch schwieriger.
  • Durchbiegung an der Vorderkante. Ein frei auskragendes Dach biegt sich vorne am stärksten durch, besonders unter Schnee.
  • Aufwand. Damit es trotzdem funktioniert, braucht es sehr steife Träger, oft Stahl, schwere Konsolen oder Zugstangen nach oben an die Fassade – und eine Einzelstatik für genau dieses Haus.

Für Vordächer über einer Haustür mit gut einem Meter Tiefe ist das gängig. Für eine Terrassenüberdachung mit drei bis fünf Metern Tiefe ist es selten wirtschaftlich. Lassen Sie sich keine Lösung ohne Pfosten verkaufen, ohne dass dafür ein Standsicherheitsnachweis für Ihr Gebäude vorliegt. Welche Nachweise es gibt, erklärt der Beitrag Statik der Terrassenüberdachung.

Einfluss von Schneelast und Eindeckung

Schneelast. Die Schneelast, mit der ein Dach bemessen wird, hängt von der Schneelastzone Ihrer Gemeinde und der Geländehöhe ab (DIN EN 1991-1-3 mit nationalem Anhang). Je höher die Last, desto kürzer darf der Träger bei gleichem Profil spannen – oder desto kräftiger muss er sein. Ein Dach, das in einer flachen Region mit zwei Pfosten auskommt, braucht in einer schneereichen Lage womöglich mehr. Welche Zone an Ihrem Ort gilt, steht in der Schneelast-Übersicht.

Eindeckung. Glas ist deutlich schwerer als Polycarbonat-Stegplatten. Das Eigengewicht der Eindeckung belastet den Träger dauerhaft, also auch ohne Schnee. Deshalb kann dieselbe Dachgröße mit Glas eine andere Statik erfordern als mit Polycarbonat. Planen Sie einen späteren Wechsel von Polycarbonat auf Glas, muss die Konstruktion von Anfang an dafür ausgelegt sein.

Pfosten bei Skyline und Cantiline

System Bauart Breite × Tiefe Pfosten vorne
Skyline an der Hauswand, vorne auf Pfosten 3,4 m × 3,4 m 2
Skyline an der Hauswand, vorne auf Pfosten 5,0 m und 6,0 m × 3,4 m 3
Cantiline Kragdach: hinten am Haus, vorne durchgehender Träger, Dach kragt darüber 5,0 m und 6,0 m × 5,0 m 2 oder 4

Bei Skyline steht das Dach vorne auf Pfosten; ab 5 m Breite kommt ein dritter Pfosten hinzu.

Das Kragdach Cantiline steht vorne auf zwei oder vier Pfosten. Das System gibt es mit oder ohne Konsole; die Konsole ändert die Maße nicht und ist keine Variante für höhere Lasten oder eine weitere Auskragung. Welche Pfostenvariante für Ihre Größe, Eindeckung und Schneelastzone passt, ergibt sich aus der Statik – geben Sie Ihre Wünsche dazu in der Anfrage an.

Ob Ihr Standort im Rahmen der vorhandenen Statik liegt, prüfen wir vor dem Angebot anhand der Postleitzahl; Zone 2a, 3 und Hochlagen werden immer einzeln geprüft.

Beispiel: Einfahrt in Marburg

In Marburg steht ein Cantiline über einer Einfahrt: hinten am Haus befestigt, vorne nur zwei Pfosten, die Zufahrt bleibt frei (Projekt in Marburg).

Häufige Fragen

Geht eine Terrassenüberdachung ganz ohne Pfosten?

Bei üblichen Tiefen von drei bis fünf Metern kaum. Das Dach müsste als Kragarm komplett an der Hauswand hängen, die dann große Biegemomente aufnehmen muss. Möglich ist das nur mit sehr steifen Trägern, aufwendigen Konsolen und einer Einzelstatik für Ihr Haus – und selten wirtschaftlich.

Wie viele Pfosten braucht ein 6 m breites Terrassendach?

Das hängt vom System ab. Mit einer schlanken Rinne als Frontträger sind es meist drei, mit einem kräftigen durchgehenden Träger wie beim Kragdach können zwei genügen. Eindeckung und Schneelastzone entscheiden mit. Bei ALUXIL hat Skyline in 6 m Breite drei Pfosten, Cantiline zwei oder vier.

Warum reichen bei überstehendem Dach weniger Pfosten?

Weil die Sparren über einen zurückversetzten, kräftigen Frontträger hinaus überstehen – man spricht von einem Kragdach. Dieser Träger liegt auf wenigen Pfosten, das Dach kragt darüber aus. Dadurch wirkt die Vorderkante frei, und die Last wird über einen kräftigen Träger gesammelt. Ein Kragdach ist trotzdem eine Konstruktion auf Pfosten.

Brauche ich mit Glas mehr Pfosten?

Möglicherweise. Glas ist deutlich schwerer als Polycarbonat und belastet den Träger dauerhaft. Ob dieselbe Größe mit Glas mit derselben Pfostenzahl auskommt, zeigt die Statik des jeweiligen Systems für Ihre Schneelastzone. Klären Sie das, bevor Sie sich für eine Eindeckung entscheiden.

Kann ich einen Pfosten später entfernen?

Nein, nicht ohne neue Statik. Jeder Pfosten ist Teil des Tragwerks. Wer einen Pfosten entfernt oder versetzt, verändert die Spannweite des Trägers und kann das Dach überlasten. Planen Sie die Pfostenpositionen deshalb vor der Bestellung so, wie sie dauerhaft bleiben sollen.

Ihr nächster Schritt

Wie das Kragdach Cantiline vorne trägt, zeigt das 3D-Modell auf der Cantiline-Produktseite – mit Explosionsansicht und eingeblendeten Maßen. Größe, Pfostenwunsch und Eindeckung können Sie als Anfrage senden.

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